Alles geht so schnell

Fotoausstellung

Seit dem Frühjahr 2017 wanderten zwei robuste Kameras durch die Hände von zehn Männern und sieben Frauen, die nichts gemeinsam haben, außer dass sie alle an Demenz erkrankt sind. Jetzt sind anlässlich des Weltalzheimertages 2017 die Fotos, die diese sehr unterschiedlichen Menschen von ihrem Alltag gemacht haben, in einer Ausstellung zu sehen. „Alles geht so schnell“ lautet der Titel der Ausstellung, ein Zitat von einem der Fotografen, als er im Zug saß und fotografierte, was ihm wichtig war festzuhalten.

Im Foyer des Landhauses werden die Bilder ab dem 21. September – die Vernissage findet um 17 Uhr statt – bis zum 5. Oktober zu sehen sein.

Landesrätin Katharina Wiesflecker und Norbert Schnetzer als Obmann der Aktion Demenz eröffnen die Ausstellung, anstatt einer Rede begeben sich Dr. Albert Lingg und Gestalter René Dalpra in ein Gespräch über die Wahrnehmung von Menschen, deren Orientierung eingeschränkt ist und über Fotografie, die keine geraden Horizonte mehr kennt.

Die Aktion Demenz ist seit vielen Jahren darum bemüht, das Thema in Vorarlberg sichtbar zu machen und ein aufgeklärtes Bild der Erkrankung zu vermitteln, zum Beispiel auch zu zeigen, welche Ressourcen und Lebensqualität noch vorhanden sind, auch wenn die Diagnose Demenz gestellt wurde. Sieben Modellgemeinden haben sich für die Umsetzung des Projektes engagiert, in Rankweil, Dornbirn, Lustenau, und in den Regionen Blumenegg, Hinterwald, Rheindelta und Kummenberg wurden die Kameras weitergereicht und die interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer begleitet.

Die Fotografien führen dem Betrachter einen Teil des Alltags vor Augen – Detailblicke und aus dem Fokus gesetzte Räume – und sie laden dazu ein, sich auf eine langsame Welt und Wahrnehmung einzulassen. Menschen mit Demenz sind langsamer, sie brauchen Zeit und eine möglichst vertraute Umgebung, in der sie selbst noch so viel machen können dürfen wie es ihnen möglich ist. Unter der Fülle von Bildern, die im Zeitraum von Februar bis Juli entstanden sind, stechen auch welche heraus, in denen Angehörige oder Pflegepersonal die Kamera geführt haben, aus welchem Grund auch immer. Sie verweisen auf ein Spannungsfeld, das in der Pflege von Menschen mit Demenz ebenso zum Alltag gehört – die Wahrnehmung, der Fokus von Menschen ohne Demenz steht der anderen Wahrnehmung gegenüber und die beiden halten es nicht immer gut miteinander aus. Anhand einer Fotoausstellung lassen sich die beiden unterschiedlichen Qualitäten deutlich erkennen und es ist gar nicht sicher, welche – zumindest künstlerisch – die interessantere ist.

Einladung zur Ausstellungseröffnung

Pressebericht Zeitschrift: Kultur - Alles geht so schnell - Brücken bauen