Über das Gehirn
Schon anhand prähistorischer Schädelfunde wird sichtbar, dass manche Gruppen in der Frühzeit Operationen am Kopf durchführten, um das Gehirn nach einer Verletzung zu schützen. Der früheste Nachweis einer erfolgreichen Kopfoperation wurde in Marokko gefunden und vor 14.000 Jahren durchgeführt. Verheilte Knochenränder weisen darauf hin, dass der Patient den Eingriff überlebte. Es wäre interessant zu wissen, was die Menschen der Frühzeit über das Gehirn annahmen.
Erst im antiken Griechenland wurde die Erkenntnis verbreitet, dass es der Sitz unserer kognitiven Fähigkeiten ist.
Im 18. Jahrhundert führte man erstmals Experimente durch, die das Gehirn und seine Fähigkeiten untersuchten. Damals waren Untersuchungen am toten Körper allerdings bei Strafe verboten, daher war es schwierig, das Gehirn selbst zu studieren. Manch wissbegieriger Arzt hat es vermutlich dennoch im Geheimen gemacht.
Der größte Wissensanteil über Neurophysiologie und Anatomie des Gehirns geht auf Untersuchungen zurück, die im 19. Jahrhundert an Tieren stattfanden – aber auch durch die genaue Beobachtung von Menschen mit kognitiven Krankheitssymptomen.
Heute weiß man sehr viel mehr über das Gehirn und seine Funktionen, wobei dieses geheimnisvolle Organ immer wieder für Überraschungen gut ist. Bei Verletzungen (zum Beispiel nach einem Schlaganfall) schließen sich manchmal andere Gehirnareale zusammen und sorgen dafür, dass etwa eine beeinträchtige Funktion wiederhergestellt werden kann. Allerdings ist es oft ein langer Weg dorthin.
Man weiß heute auch mehr über die Möglichkeiten, das Gehirn lange gesund zu erhalten.
Das Gehirn verarbeitet Sinneseindrücke und Informationen, sowohl von der Außenwelt, als auch vom eigenen Körper. Hier werden Bewegungen ausgelöst, Gedanken und Sprache geformt, Entscheidungen gefällt und vieles, was wir für unser Überleben brauchen, geht leise im Untergrund vor sich. Intelligenz entsteht durch das optimale Zusammenspiel von komplexen Vorgängen im Gehirn.
Das Gehirn ist ebenso wie der gesamte Körper einem Alterungsprozess ausgesetzt. Ab dem 60igsten Lebensjahr verliert der Mensch auch an Gehirn-Masse, und zwar,etwa alle fünf Jahre ein Prozent. Zunächst vor allem im Stirn- und Schläfenlappen, das sind evolutionsbedingt die neueren Gehirnareale, in denen Konzentration und Aufmerksamkeit sowie für das Gedächtnis und die Kreativität verankert sind.
Im Alter von 45 bis 50 und von 60 bis 65 passieren verstärkte Abbauprozesse im Gehirn, die mit deutlichen Leistungseinbußen verbunden sind. Das sind die zwei Lebensphasen, in denen es gilt, gegenzusteuern. Die Liste der Aktivitäten ist lange, an erster Stelle stehen aber soziale Kontakte, regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf. Gerade der Übergang in die Pension ist eine heikle Phase, die oft mit einer Umorientierung der sozialen Kontakte einhergeht – diese Übergänge gut vorzubereiten fördert die Lebensqualität und die Gesundheit.
Auch wenn altersbedingt Nervenzellen abgebaut werden, lassen sich gleichzeitig neue aufbauen, etwas durch das Erlernen neuer Fähigkeiten. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen lässt sich der Alterungsprozess im Gehirn mit den passenden Maßnahmen um bis zu sieben Jahre verlangsamen.
Quelle: Prof. Martin Korte, Neurobiologe, TU Braunschweig
Die wichtigsten Tipps auf die Schnelle
- Treffen Sie sich mit lieben Menschen, auch im Alter ist ein aktives Sozialleben wichtig.
- Das Gefühl der Einsamkeit soll vermieden werden, in vielen Gemeinden werden gemeinsame Mittagstische, Spieleabende, Kochabende oder ähnliches angeboten – finden Sie etwas, was regelmäßig Freude macht.
- Zufriedenes alleine sein ist nicht dasselbe wie Einsamkeit – wichtig sind aber in jedem Fall regelmäßige geistige Anregungen.
- Optimal für geistige Herausforderungen ist das Erlernen neuer Fähigkeiten, die ist bis ins hohe Alter möglich – ein Instrument spielen oder eine neue Sprache sprechen baut zahlreiche neue Synapsen auf, selbst wenn altersbedingt Zellen verloren gehen
- Drei bis vier Mal wöchentlich moderate Bewegung sorgt für Sauerstoff im Gehirn und für Muskelerhalt, dabei sind beispielsweise Gartenarbeit oder Spaziergänge schon ausreichend
- Schwerhörigkeit behandeln lassen hat zur Folge, dass die fürs Hören zuständigen Zellen erhalten bleiben
- Dasselbe gilt für eine passende Sehhilfe, sofern nötig – was nicht angeregt wird baut sich ab.
- Sorgen Sie für guten Schlaf, dabei sind kurze Schlafunterbrechungen kein Problem
- Vermeiden Sie Übergewicht, sorgen Sie für ausreichend Ballaststoffe und natürliche Nahrungsmittel (Gemüse, Obst)
- Sorgen Sie für handyfreie Pausen im Alltag, im Idealfall mit etwas Bewegung und mit anderen Gedankeninhalten.
Das Gehirn wird unterteilt in vier Bereiche:
- Großhirn
- Zwischenhirn mit Thalamus, Hypothalamus und Hypophyse
- Hirnstamm mit Mittelhirn, Brücke und verlängertem Mark (Nachhirn)
- Kleinhirn
Das Großhirn ist zuständig für Bewegung und die Verarbeitung von Sinneseindrücken, für Sprache und Hören und für bewusste wie auch unbewusste Handlungen und Gefühle. Auch das Gedächtnis ist hier verankert. Es teilt sich in zwei Hälften, die mit einem Nervenstrang (Balken) verbunden sind. In der rechten Gehirnhälfte werden vorwiegend bildhafte und räumliche Zusammenhänge verarbeitet, in der linken sind abstraktes Denken und Sprache vorherrschend – dies muss aber nicht bei allen Menschen gleich sein.
Jede der beiden Hälften bestehen aus unterschiedlichen Bereichen (Lappen).
Das Kleinhirn ist für das Gleichgewicht zuständig und koordiniert Bewegungen.
Die Sinneseindrücke der Haut, der Augen und Ohren werden vom Thalamus – im Zwischenhirn gelegen – ans Großhirn übermittelt, der Hypothalamus reguliert Hunger, Durst oder Schlaf und gemeinsam mit der Hirnanhangdrüse, der Hypophyse, kontrolliert er den Hormonhaushalt.
Viele der lebenswichtigen Funktionen, etwa Herzschlag, Atmung und Blutdruck, werden im Hirnstamm reguliert. Er verteilt die wichtigen Informationen in die zuständigen Gehirnregionen.
Mathematik rechts und Poesie links? Mitnichten, sagt die Forschung. Auch wenn linke und rechte Gehirnhälften unterschiedliche Aufgaben übernehmen, so ist die weit verbreitete Annahme, dass kreative Arbeiten eher links und logische Aufgaben eher rechts verankert seien, schlicht falsch. Allerdings ist es so, dass ein Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte zu Einschränkungen auf der rechten Körperseite führen kann und umgekehrt.
Die sogenannte fight-or-flight-Reaktion entscheidet in Millisekunden, welche Reaktion die angemessene für eine nahende Gefahr ist – die Entscheidung geschieht blitzschnell und unbewusst. Sie wird in der Amygdala (dem Mandelkern) gemeinsam mit dem Hypothalamus ausgelöst, dieser empfängt das Alarm-Signal der Amygdala und setzt die körperliche Reaktion in Gang. Dabei werden Stresshormone (Adrenalin) ausgeschüttet, die den Körper zur Höchstleistung befähigen.
Ein Sturz oder ein Schlag, etwa beim Kopfball, kann ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma auslösen, wir nennen es umgangssprachlich Gehirnerschütterung. Das Gehirn wird durch das Nervenwasser (Liquor) geschützt, es federt die meisten Erschütterungen ab. Schlägt das Gehirn an die harte Schädelwand, dann kann es verletzt werden und manchmal reißen sogar einige Nervenbahnen, was dazu führt, dass Informationen nicht mehr oder nur noch langsam verarbeitet und weitergegeben werden. Dies kann auch die Wahrnehmung, das Denken und das Fühlen beeinträchtigen. Das Gehirn ist dann für einige Zeit nicht mehr so leistungsfähig und braucht Ruhe und Erholung.
Die üblichen Symptome sind Kopfschmerz, Benommenheit, Übelkeit oder Schwindel. Das Gehirn regeneriert sich normalerweise nach einigen Tagen Ruhepause und die Symptome verschwinden vollständig – langfristige Folgen sind selten. Allerdings weiß die Forschung heute, dass wiederholte Erschütterungen, wie etwa im Profi-Boxsport, im Alter zu Folgeerkrankungen führen können. Parkinson oder demenzielle Veränderungen können eine Folge von Dauerbelastungen durch Schläge sein.
Quelle:https://www.gesundheitsinformation.de/wie-funktioniert-das-gehirn.html