Theater zum Welt-Alzheimertag
Kulturelle Teilhabe zum Welt-Alzheimertag
Rückblick: Der Weltalzheimertag 2025 stand unter dem Motto „Mensch sein und bleiben“ – eine Analogie zur Kultur, denn unsere Kultur ist der Raum, in dem wir unsere Identität als Mensch entwickeln. Die Aktion Demenz setzt immer wieder einen Schwerpunkt auf kulturelle Angebote sowohl für Menschen mit Demenz selbst als auch für die breite Bevölkerung – denn ausgewählte Literatur, Theater, Musik und Spielfilme vermitteln das Thema Demenz auf die bestmögliche Art.
In Kooperation mit dem Theater Kosmos setzte die Aktion Demenz am Sonntag, den 21. September – dem Welt-Alzheimertag – einen hochkarätigen Theater-Schwerpunkt zum Thema Demenz. Gleich zwei szenische Lesungen an einem Nachmittag – zu denen auch ein Kombiticket inklusive einer kleinen Erfrischung in der Pause zur Verfügung stand, brachten das Thema Demenz näher. Den Anfang machten um 15 Uhr der Schauspieler Basil Dorn und Regisseurin Ulrike Hofmann-Paul mit einem erst in den 1990-er Jahren wieder aufgetauchten Dokument, das sie auf Basis der Texte des Frankfurter Psychiaters Prof. Dr. med. Konrad und seiner Frau Ulrike Maurer behutsam in Szene gesetzt haben. „Die Akte der Auguste D.“ erzählt mit Originaldialogen der ersten Patientin mit Dr. Alois Alzheimer und auch mit deren Ehemann vom berührenden Zeugnis über den Krankheitsverlauf der damals 51-jährigen Frau, die 1901 in die Klinik eingewiesen wird. Dr. Alois Alzheimer berichtete nach ihrem Tod bei einem Fachvortrag 1906 erstmals über seine Forschung „über die eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“. Das Stück feierte 2004 in Würzburg seine Premiere und ist seither im deutschsprachigen Raum zu sehen.
Nach einer kurzen Pause begann um 17 Uhr ein weiteres Highlight: „Der alte König in seinem Exil“. Arno Geigers Erfolgsroman ist ein zutiefst bewegendes Werk, das die Reise eines Sohnes mit seinem an Demenz erkrankten Vater beschreibt. Der Roman ist eine Hommage an die Liebe und Geduld, die nötig sind, um im Schatten einer schwerwiegenden Krankheit Nähe und Verständnis zu finden. Das Schweizer „Theater am Tisch“ bringt dieses intime Werk auf die Bühne – ein tiefgehendes Gespräch zwischen Vater und Sohn, bei dem sie sich näherkommen als jemals zuvor. Die Aufführung wird durch Willi Hänes berührende Akkordeonmusik verstärkt, die eine atmosphärische Brücke zwischen Fiktion und Realität schafft. „Bei uns zu Hause wurde viel musiziert,“ erzählt Arno Geiger. „Und darauf haben wir zurückgegriffen, als mein Vater dement wurde. Er hat dann wieder viel gesungen, vor allem Volkslieder. Das wird vom „Theater am Tisch“ aufgegriffen. Die Musik ergänzt den Text, begleitet ihn, interpretiert ihn. Das ist ganz wunderbar gemacht!“